Ausprobiert: Die coolste VR-Brille der Welt

Axel Telzerow Allgemein

Wenn Sie jetzt denken, warum hat er denn seine Dr.Dre-Kopfhörer nach unten gezogen und sich den Bügel vor die Augen geklemmt, kennen Sie die vielleicht coolste VR-Brille der Welt noch nicht. Die Glyph von Avegant. 


Um die Glyph auszuprobieren, treffe ich mich in Redwood City mit Avegant’s CEO Joerg Tewes und CSO und Gründer Edward Tang. Das Office liegt direkt gegenüber dem pompösen Firmenkomplex von Oracle, vor dem die gigantische America´s Cup-Yacht von Larry Ellison über einem See thront. Als StartUp mit Ambitionen sicher nicht die schlechteste Adresse und Ansporn zugleich.

Bei Joerg und Ed merkt man bereits nach einer Minute die Begeisterung für das eigene Produkt, die beiden lieben, was sie tun. Kein Zweifel. Die Idee hinter der Glyph ist dabei eigentlich ganz einfach. Avegant möchte den Konsum von Medien aller Art auf ein neues Level bringen, ganz gleich ob 2- oder 3D-Filme, VR-Material und Musik. Ja, genau, Musik, denn so schlecht war der Vergleich mit einem Dr.Dre-Kopfhörer gar nicht. Die Glyph kann wie ein ganz normaler Bügelkopfhörer nur zum Musikhören getragen und mit einem einzigen Griff in eine vollwertige VR- und Datenbrille verwandelt werden.

Als Zuspieler ist man dann wie zum Beispiel bei der Oculus nicht nur auf den PC beschränkt, sondern kann die Glyph an Spielekonsole, PC, Mac oder auch ein Smartphone hängen. Und noch etwas ist anders. Bei nahezu allen derzeit erhältlichen VR-Brillen umschliesst die Brille vollkommen die Augen, damit der Nutzer komplett in die virtuelle Realität abtauchen soll. Bei der Glyph bleibt über und unter den Augen noch so viel Platz, dass die Realität um den Nutzer herum noch wahrgenommen werden kann.

Als ich die Brille dann endlich ausprobieren kann, ist das erstaunlicherweise gar nicht störend. Ich komme mir mit der Glyph nicht so vor, als hätte man mir einen dunklen Sack über den Kopf gezogen, sondern fühle mich jederzeit sicher an meinem Standort.

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Bei diesem Prototyp gibt es noch ähnlich wie bei der Oculus einen Haltegurt. Beim finalen Produkt wird das nicht mehr nötig sein.

Beim Musikhören ist die Erfahrung mit der Glyph ganz neu. Über das angeschlossene iPhone kann ich wie gewohnt durch die Alben flippen und einzelne Titel auswählen. Als die Musik dann beginnt, wird der Hörgenuss um eine Dimension erweitert. Ich „sehe“ die Musik auch, anstatt sie nur zu hören. Eigentlich seltsam, weil ja kein Video vor meinen Augen abläuft, sondern nur die Alben-Cover angezeigt werden.

Werden normale Videos z.B. von Netflix eingespielt, verhält sich die Glyph fast so, als säße ich zuhause vor dem Fernseher. Augenakrobatik wie bei der Google Glass ist nicht notwendig –  ganz im Gegenteil. Meine Augen müssen sich gar nicht anstrengen, ich kann entspannt zuschauen. Warum das so ist, verrät Chief Strategy Officer Edward Tang. Anstatt das Signal mit einem in der Brille versteckten Monitor direkt auf das Auge zu projizieren, sind in der Brille 2 Millionen winzige Spiegel verbaut, die das eingehende Licht zum Auge reflektieren. Ed nennt die Technologie Virtual Retinal Display und ist von der augenschonenden, knack scharfen Entwicklung überzeugt.

Bei dem von einer Playstation 3 zugespielten 3D-Film OBEN kann die Glyph dann auch als 3D-Brille überzeugen. Die Betrachtung empfinde ich einfacher als zuhause mit den Zubehör-3D-Brillen meines Full-HD-Fernsehers aus Fernost.

Joerg und Ed legen aber noch einen drauf und zeigen mir eine VR-Demo, bei der es dann richtig zur Sache geht. Im Cockpit eines französischen Jets knalle ich im Sturzflug durch die Wolken und kann mich jederzeit umsehen, unter mir grüne Hügel und über mir der blaue Himmel. Eine komplette 360 Grad-Erfahrung, die trotz der eben nicht eng anliegenden Brille erstaunlich realistisch wirkt. Der perfekte Sound aus den Ohrmuscheln macht diesen Flug dann auch zu einem echten Erlebnis, so kann VR richtig Spaß machen.

Fazit: Avegant könnte hier die eierlegende VR-Wollmilch-Sau gelungen sein. Idee und Produkt machen einen sehr guten Eindruck, gerade der universelle Einsatzbereich hebt die Glyph deutlich von anderen Virtual Reality-Brillen ab. Bei einem Preis von 499 Dollar und einer hervorragenden Chance das finale Produkt noch in diesem Jahr im Handel kaufen zu können, dürfte die Glyph-Brille ein ganz heißer Kandidat für das Gadget des Jahres 2015 sein.