Ein Meisterstück ist die Apple Watch (noch) nicht

Axel Telzerow @t-weekly

Eine Uhr, sie zu knechten, sie alle zu finden, in die Stores zu treiben und ewig zu binden. Frei nach der Inschrift des Einen Rings aus „Herr der Ringe“ könnte Apple mit der neuen Apple Watch ein Coup gelingen, der an die Einführung des ersten iPhones 2007 heranreichen kann. Aber ist die Uhr auch das von Tim Cook versprochene „Meisterstück“? Ich sage nein!


Glauben Sie es mir, ich kann es selbst nicht abwarten, bis die neue Apple Watch am 24.April in die Apple Stores kommt und ich sie endlich kaufen darf. Ja kaufen, denn nach all den Jahren mit Testgeräten, Dienst-iPhones, Dienst-iMacs, Dienst-iPads und Dienst-Macbooks wird diese Uhr tatsächlich das erste Apple-Produkt sein, das ich mir privat zulegen werde.  Außerdem wird meine persönliche Lieblingsagentur aus München COMPUTER BILD ganz sicher kein Testgerät zuschicken, wahrscheinlich mit der Begründung wir seien kein Uhrenmagazin. Aber nun gut, müssen sie ja auch nicht.

Zurück zur Uhr. Ich finde den Preis vollkommen überzogen, viel weniger aufgrund der Apple Watch selbst, sondern viel mehr aufgrund des Wissens was mich in den nächsten Jahren erwartet. Es wird ein Software-Update geben und dann noch eins und dann noch eins passend zum Start des Nachfolgemodells Apple Watch S. Dann wird meine Uhr langsamer werden, viel langsamer. Einige Apps werden nicht mehr richtig dargestellt und die ersten App-Hersteller werden den Support einstellen. Bis dahin werde ich irgendwann nach einem harten Messetag irgendwo auf der Welt abends beim Dinner sitzen, und auf das schwarze, leblose Display meiner Uhr schauen, deren Batterie nach nur 18 Stunden leider restlos entladen ist.

Genau das wird der Zeitpunkt sein, an dem ich mir meine Automatikuhr mit Edelstahlgehäuse und Schweizer Uhrwerk zurückwünsche, die ich seit 1996 jeden Tag trage. Auch unter der Dusche, beim Sport und in der Nacht. In fast 20 Jahren musste sie erst einmal in die Werkstatt, zur Wartung. Das ist für mich ein echtes „Meisterstück“, ein Produkt vielleicht für die Ewigkeit.

Deshalb erwarte ich mit der Apple Watch auch kein perfektes Produkt. Ich erwarte hingegen die schönste Smartwatch aller Zeiten, die den Wearable-Markt nach all den langweiligen Fitness-Bänder-Klonen wieder so richtig in Schwung bringt. Und ich weiß jetzt schon, dass mich die viel zu kurze Batterielaufzeit, möglicherweise grottige App-Portierungen und das das damit verbundene, leider unverschämte Preis-Leistungsverhältnis in den Wahnsinn treiben wird.

Ich kaufe sie aber trotzdem. Schön blöd, oder?

Bildnachweis: Apple