Exklusiv-Test: Der Beamer in der Dose

Axel Telzerow Reviews, SmartHome

Vor rund einem Jahr habe ich zum ersten Mal von dem Plan gelesen, einen Mini-Beamer in Form einer Cola-Dose mit integriertem Lautsprecher auf den Markt zu bringen. Das Teaser-Video war zudem gut gemacht und so bestellte ich die Nebula Capsule einfach via Indiegogo vor und…vergass sie.

Umso erfreuter war ich dann auch, als das mit großen Vorschusslorbeeren ausgestattete Gadget dann tatsächlich ausgeliefert wurde. Im Paket dann die erste Überraschung: Neben der schön designten Produktverpackung der Capsule, lag noch ein Carry Case zum Transport und ein Tripod-Stativ, die Rund-um-sorglos-Variante offensichtlich.

Die drei Produktverpackungen haben Apple-Niveau

Die zweite Überraschung war eigentlich keine, denn beim Unboxing zeigte sich bei Beamer, Case, Stativ, Schutzhülle und Kabeln dann die gewohnte Materialqualität von Anker, dem chinesischen Spezialisten für Akkus aller Art. Alles fasst sich wertig an, hat ein „Wohlfühl“-Gewicht und macht einen guten Eindruck.

Einfache Einrichtung
Der Beamer ist dann auch sofort einsatzbereit, der Akkuladestand wird mit 96% angezeigt und im ersten Menü genügt ein Klick mit der Fernbedienung um die Sprache auf Englisch einzustellen. Deutsch ist zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht verfügbar. Da die smarte Dose mit Android 7.1 über ein eigenes Betriebssystem verfügt, ist auch die weitere Einrichtung mehr als simpel. Im Menüpunkt „Settings“ geht´s zu den Wifi-Einstellungen, verfügbare Wlan-Netze werden dargestellt und können ausgewählt werden. Wer schon mal mit einem Android-Smartphone in Berührung gekommen ist, kommt mit der Nebula Capsule sofort zurecht.

So sind dann die vielleicht beliebtesten Streaming-Apps wie YouTube, Netflix, Amazon Prime und Spotify mit wenigen Klicks auf der Capsule installiert, müssen jeweils nur noch konfiguriert werden.

Kabelloses Home Cinema
Amazon Prime ist dann auch die erste App mit der die Nebula Capsule zeigen muss, was sie kann. Also, Dose auf den Küchentisch, normale Beleuchtung eingeschaltet und eine Folge „Fear of the Walking Dead“ als Testvideo ausgewählt. In unterschiedlichen Abständen ergeben sich drei Bildschirmgrößen (2,70 x 1,90 und 1,90 x 120 und 1,40 x 80), die interessanterweise alle ein erstaunlich gutes Bild bei einer Auflösung von „nur“ 854 x 480 Pixeln ausweisen. Das eigentliche Manko ist mit nur 100 ANSI Lumen die Lichtstärke. Wer hier ein kristallklares Bild bei normaler Zimmerbeleuchtung erwartet wird vielleicht enttäuscht sein. Im komplett abgedunkelten Raum ist die Leuchtkraft dann aber mehr als ausreichend. Zur Begeisterung trägt auch sicherlich auch immer wieder Tatsache bei, dass aus einer kleinen schwarzen Cola-Dose ohne Strom- und HDMI-Kabel überhaupt ein annehmbares Bild herauskommt.

Der verbaute Speaker ist ungefähr auf dem Niveau von Amazons Echo, nichts für Klangfetischisten, die schon bei Sonos-Speakern die Nase rümpfen, aber für einen schönen Serien-Abend bei Netflix & Co. absolut ok. Wie auch der Echo tönt die Capsule im 360 Grad Winkel, sodass alle Zuhörer gleichsam beschallt werden. Natürlich kann die Capsule auch als normale Bluetooth-Box betrieben werden, ohne dass der Beamer läuft. Mit Spotify oder Apple Music als Zuspieler vom Smartphone.

Auf Roadshow
Wenn ich daran denke wie oft ich mich in Grund und Boden geschämt habe, wenn ein Kollege der Anzeigenabteilung einen Beamer aus dem vorigen Jahrhundert ausgepackt hat um eine Präsentation bei einem Kunden an die Wand zu werfen, nur um dann festzustellen, dass das Gerät nicht mit seinem Notebook funktioniert, gruselt es mich jetzt noch. DAS kann mit dem Nebula Capsule nicht passieren, denn hier können Sie Ihr  Notebook getrost zu Hause lassen und Dateien über die „Screen Mirroring“-Funktion direkt vom Smartphone präsentieren. Das funktioniert mit Powerpoint genauso gut wie mit Fotos, etwa für eine Diashow bei den Schwiegereltern.

Für Zocker
Über den Appstore der Nebula Capsule lassen sich auch ohne Ende Games herunterladen und großformatig spielen. Im Praxis-Test hüpft dann auch Sonic, the Hedgehog über die weiße Küchenwand, gesteuert wird per Smartphone und der Capsule-App oder eben mit der Fernbedienung. Beides funktioniert leidlich gut, ersetzt aber kein klassisches Gamepad. Grafik, Sound, Speed sind hingegen absolut ausreichend für ein schnelles Spielchen zwischendurch, für mehr eignen sich iPad oder Spielekonsole deutlich besser. Aber das ist auch kein Problem, denn schließlich verfügt die Capsule über einen HDMI-Port, sodass eine eine Xbox, Playstation oder Switch angeschlossen werden können.

Fazit
Die Nebula Capsule hat im Praxis-Test voll überzeugt. Trotz einer Bauhöhe von nur 12 Zentimetern stecken in der smarten Dose für nur 350 Euro einige technische Leckereien, die die Capsule für viele Nutzer interessant machen dürfte. Da ist zum einen die lange Akkulaufzeit von rund 3 Stunden im Videobetrieb und rund 35 Stunden als Bluetooth-Box. Zum anderen der üppige interne 8 GB-Speiche, mehr als ausreichend für Filme, Fotos und Filme, wenn einmal kein WLAN zum Streamen verfügbar ist. Im harten Business-Einsatz lassen sich alle möglichen Dateien via Smartphone zuspielen, die Capsule ist zudem so unfassbar viel cooler als ein handelsüblicher Beamer, der mit einem sperrigen, grauen Kabel an ein noch langweiligeres Geschäfts-Notebook angeschlossen werden muss. Wer über die geringe Lichtstärke und Auflösung meckern möchte, sollte sich den größeren Nebula Mars von Anker anschauen, ein HD-Beamer mit beachtlichen 3000 Ansi-Lumen. Alle anderen freuen sich über ein tolles Produkt, mit einem sensationellen Preis-Leistungsverhältnis, das in vielen möglichen und unmöglichen Situationen kabellos zum Einsatz kommen kann. Für mich ist die Nebula Capsule von Anker bereits im Januar ein Anwärter für das „Gadget des Jahres 2018“.